Starker Markt der Kleinen

Die ambulante Pflege zeigt sich immer noch als eine der tragenden Säulen unseres deutschen Pflegesystems. Durchschnittlich versorgt ein Pflegedienst in Deutschland etwa 101 Patienten – damit kommen die aktuell 16.900 Pflegedienste auf eine Gesamtversorgung von etwa 1,7 Millionen Patienten.

Das starke Wachstum der Pflegedienste, welches bereits seit Jahren anhält, zeigt sich insbesondere bei der Entwicklung der Standorte – hier wuchs die Anzahl der Pflegedienste von 2018 bis 2021 um rund 13 Prozent – die Anzahl der Standorte im stationären Bereich wuchs hingegen im selben Zeitraum um gerade einmal rund 2 Prozent. Dabei zeigte sich auch das Wachstum im Jahr 2021 trotz Corona weiterhin als ungebrochen – insgesamt wurden mehr als 480 neue Pflegedienste zwischen Januar und Dezember neu gegründet, wie eine Analyse im Auftrag der Landhausküche von apetito ergab. Als Neugründung galt hierbei die Eintragung einer neuen IK-Nummer an einem bisher nicht existierenden Standort.

Zwar wurden im selben Zeitraum auch 175 Pflegedienste geschlossen (hier erlosch eine IK-Nummer, ohne dass eine neue IK-Nummer aufgrund einer Übernahme oder aus anderen Gründen für denselben Standort neu vergeben wurde) – dennoch zeigt sich somit ein Netto-Wachstum von rund 305 zusätzlichen Pflegediensten in ganz Deutschland.

Private singuläre Pflegedienste prägen den Markt

Bereits in einer früheren Analyse zur Verteilung der Pflegedienste in Dörfern, Städten und Großstädten wurde die starke Position privater singulärer Pflegedienste deutlich. Und auch bei der Betrachtung der neu gegründeten Pflegedienste fällt auf, dass mehr als 93 Prozent von einem privaten Unternehmen gegründet wurden – davon waren mehr als 81 Prozent sogar private singuläre Pflegedienste, die nicht zu einer größeren Unternehmensgruppe gehörten. Auch unter Berücksichtigung der Neugründungen von gemeinnützigen und kommunalen Anbietern zeigt sich dieser deutliche Fokus:
Ganze 77 Prozent aller Neugründungen waren die Gründung eines singulären Pflegedienstes - nur 23 Prozent aller Neugründungen gingen von Betreibergruppen aus, die zumeist auch nur einen neuen Dienst gründeten und damit kaum als treibende Kraft in diesem Aspekt der Pflege angesehen werden können.

Nur einige wenige große Pflegedienstunternehmen, wie die Home Instead oder kenbi fielen mit mehreren Neugründungen auf. Dabei bildet die Home Instead als größter Pflegedienst in Deutschland dank seines Franchise-Systems ohnehin eine deutliche Ausnahme. Auch kenbi unterscheidet sich als Pflege-Startup deutlich von anderen Unternehmen. Das stark auf Digitalisierung und eigene Apps aufbauende Startup hat sich laut eigenen Aussagen auf der Seite der Pflegekräfte an dem niederländischen Buurtzorg-Modell orientiert. Mit Teams aus maximal 12, minimal 6 Mitarbeiter*innen versorgt das Unternehmen laut eigenen Angaben bereits mehr als 1.000 Kund*innen. kenbi hat erst vor kurzem die Finanzierungsrunde über 23,5 Millionen Euro bekannt gegeben. Bis heute hat kenbi über 30 Millionen Euro erworben und ist seit seiner Gründung Ende 2019 von 12 auf über 300 Mitarbeiter*innen gewachsen.

Ein Blick auf die Karte zeigt, dass in insgesamt 316 Städten in ganz Deutschland neue Pflegedienste eröffnet wurden – Spitzenreiter waren dabei, wenig überraschend, die Großstädte Berlin, Hamburg, München und Frankfurt mit jeweils mehr als 10 neuen Standorten.

Neugründungen übersteigen deutlich die Schließungen

Bereits am Anfang der Analyse wurde auf die im Laufe des Jahres 2021 geschlossenen Pflegedienste eingegangen – insgesamt schlossen 175 Pflegedienste – die meisten davon in Nordrhein-Westfalen (46), Bayern (33) und Hessen (23). Neben der Betrachtung der Bundesländer lohnt sich ein Blick auf die Struktur der ehemaligen Unternehmen: 
Während 77 Prozent aller Neugründungen singuläre Dienste waren, traf dies nur auf 68 Prozent aller geschlossenen Pflegedienste zu. Ähnlich verhält es sich bei der Unternehmensart: 93% aller Neugründungen waren private Unternehmen, bei den Schließungen machen die privaten Betreiber mit 84% einen merklich niedrigeren, wenn auch noch immer überwiegenden Anteil aus. Insgesamt zeigt eine Gegenüberstellung der eröffneten und geschlossenen Pflegedienste in den einzelnen Bundesländern in beinahe allen Bundesländern ein prozentuales Wachstum der Pflegedienststandorte von deutlich mehr als einem Prozent. Als einzige Ausnahme muss hierbei Bremen gelten. Dort schlossen mehr Pflegedienste als neu eröffnet wurden, bei jedoch zeitgleich nur sehr geringen Marktbewegungen.

Insgesamt wiesen 148 der 175 geschlossenen Pflegedienste einen aktuellen MDK Bericht auf – dieser offenbart eine deutlich unterdurchschnittliche Patientenzahl. Im Schnitt versorgten die geschlossenen Pflegedienste etwa 45 Kunden – der Deutschlandschnitt für private Pflegedienste liegt bei 76. Ein Schließungsgrund kann nicht ermittelt werden. Von den 438 neu gegründeten Diensten haben bereits 45 einen neuen MDK-Bericht: Diese verfügen, nach nur wenigen Monaten im Schnitt über 41 Patienten und damit über beinahe schon genauso viele wie die geschlossenen Dienste. Ein weiteres Wachstum ist hier zu erwarten.

Spezialisierungen werden immer wichtiger

Mit Home Instead als Franchise-Unternehmen und kenbi als technologiegetriebenes Pflege-Startup sind während der Analyse schon einmal zwei Pflegedienste mit besonderem Konzept aufgefallen, die besonders viele Neugründungen verzeichnen konnten. Doch auch für die einzelnen Pflegedienste erweisen sich Spezialisierungen als immer wichtiger. Angebote in der Kurzzeitpflege, der Kinder & Jugendpflege, der Palliativpflege oder weiteren Spezialisierungen finden sich bei fast 60 Prozent aller neu gegründeten Pflegedienste.

Verstärkt zeigt sich der Anteil der Pflegedienste, die auch die außerklinische Intensivpflege zu ihrem Angebot zählen. Waren im Jahr 2020 noch 16 Prozent aller Pflegedienste mit einem solchen Angebot neu an den Start gegangen, wiesen bei den Neugründungen im Jahr 2021 ganze 18 Prozent aller Standorte eine solche Spezialisierung auf. Demenzpflege bieten immerhin noch 13 Prozent aller neu gegründeten Standorte.

Insgesamt zeigt sich der Markt der ambulanten Pflege weiterhin als stark wachsend. Dabei gleicht er nicht nur die verloren gegangenen Standorte um mehr als das Doppelte aus, sondern zeigt auch vermehrt Angebote in verschiedenen, spezialisierten Leistungssegmenten. Besonderer Markttreiber bleiben dabei die kleineren, inhabergeführten Pflegedienste.
Die Analysen entstehen im Auftrag der Landhausküche von apetito, um den heterogenen ambulanten Pflegemarkt transparenter zu gestalten. Als verlässlicher Partner der ambulanten Pflege wollen wir von der Landhausküche weiteres Wissen um den Pflegemarkt erlangen und mit unseren Partnern teilen. Mit dem Wissen um die Herausforderungen des ambulanten Pflegemarkts können wir unsere Dienstleistung ständig in Ihrem Sinne weiterentwickeln und Ihnen stets ein wertvoller Partner sein.