Zeit sparen - Gespräche fokussieren:

Ansatzpunkte aus über 50.000 Pflegegradberechnungen

Der erste Schritt zur passenden Versorgung bei Pflegebedürftigkeit ist die Ermittlung des Pflegegrades. Bevor der MDK diesen feststellt, kann es für Angehörige und/oder Betroffene sinnvoll sein, diesen selbst richtig einzuschätzen. Häufig werden dazu Pflegegradrechner genutzt, die sowohl online als auch offline erhältlich sind. Und genau hier liegen spannende Ansatzpunkte für Pflegedienste, wie eine Analyse im Auftrag der Landhausküche von apetito ergab.

Für einen ersten Überblick wurde dabei der Zeitraum von Juli 2020 bis Juni 2021 betrachtet, in welchem rund 80.000 Nutzer den Online-Pflegegradrechner nutzten. Hiervon rechneten rund 43% den Pflegegrad bis zum Ende durch und benötigten durchschnittlich 11 Minuten. Um eines vorwegzunehmen: Die Analyse zeigt das große Interesse an der Feststellung des eigenen Pflegegrades - doch die komplexen Fragen erfordern die Unterstützung von Fachpersonal. Pflegedienste können dabei nicht nur eine engere Kundenbindung herstellen, sondern zugleich die Bedürfnisse des Kunden besser erfassen, um vollumfänglich Unterstützung - auch unter Zuhilfenahme von externen Dienstleistern - anbieten zu können. Schauen wir uns das einmal im Detail an:

Um ein besseres Verständnis für die Nutzer des Pflegegradrechners zu bekommen, wurden die Nutzerdaten ausgewertet. Rund 58% der Nutzer waren weiblich, die meisten davon zwischen 25 und 34 Jahren alt. Während die Nutzung des Online-Tools bei den Frauen mit zunehmendem Alter dabei merklich abnahm, verteilt sich die Altersstruktur bei den männlichen Nutzern jenseits der 34 Jahre deutlich gleichmäßiger. Hier zeigt sich, dass ein Online-Rechner nicht für jede Zielgruppe geeignet ist und oftmals noch Hilfe bei der Ausfüllung des Rechners benötigt wird.

Nur wenige Nutzer sind nicht für einen Pflegegrad berechtigt

Bei der Analyse der Ergebnisse zeigt sich, dass der größte Teil der Nutzer die Berechtigung für einen Pflegegrad aufweisen. Gerade einmal 6,2% aller Ergebnisse aus dem Pflegegradrechner waren ohne positives Ergebnis für eine Pflegegrad-Einstufung. Besonders häufig wurden indes Pflegegrad 2 und 3 ermittelt. Viele Nutzer sind damit verstärkt auf professionelle Pflege angewiesen.
Um ein noch besseres Bild der Pflegebedürftigkeit zu erhalten, wurde zudem die erreichte Punktzahl in den einzelnen Pflegegraden betrachtet. Hier zeigt sich, dass gerade in den Pflegegraden 1 und 2 ein großer Teil der Einstufung relativ nahe am nächsthöheren Pflegegrad gelegen sind. Eine Verteilung die jedoch mit steigendem Pflegegrad immer weiter abnimmt. Letztlich ist sogar ein Viertel jener Nutzer, die noch nicht berechtigt sind, einen Pflegegrad zu erhalten, nicht mehr weit von eben jenem Punkt entfernt.

Somit zeigen sich auf der einen Seite ein gesteigerter Bedarf an professioneller Pflege sowie die gute Selbsteinschätzung der Nutzer, welche einen Pflegegrad benötigen, auf der anderen Seite zeigen sich auch komplexe Formulare, die oftmals nicht ohne weitere Hilfe ausgefüllt werden können. Dies gilt vor allem im fortgeschrittenen Alter.

Um eine noch genauere Auswertung zu erhalten, wurden daher tiefergehende Daten aus dem Jahr 2018 zu Rate gezogen, die ein deutlich komplexeres Bild zeichnen.

Pflegegradberechnung für Anwender komplex

Für den betrachteten Zeitraum 2018 wurden insgesamt 56.254 Nutzer auf der Startseite des Pflegegradrechners verzeichnet. Bereits hier beenden 44% der Nutzer den Rechner, ohne das Modul 1 "Mobilität" zu beginnen. Dies zeigt deutlich, dass sich viele Nutzer nicht zutrauen, die Fragen zu beantworten und fachliche Hilfe von Pflegeprofis benötigen.
Bei der Analyse der weiteren Nutzerführung fällt dabei deutlich auf, dass auch die direkt folgenden Module - Modul 1 und Modul 2 - nicht zu Ende ausgefüllt und vorzeitig abgebrochen werden. Danach bleiben die meisten Nutzer an der Berechnung aktiv, ehe ein großer Teil der Nutzer (8%) Modul 5 nicht zu Ende rechnet. Gerade dieses Modul 5 "Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen" fällt dabei mit Fragen für die professionelle Pflege zu Hilfsmitteln und Therapiemaßnahmen auf, die offensichtlich von vielen Pflegebedürftigen nicht allein beantwortet werden können.

Hier kann ein Pflegedienst eingreifen und seine Gespräche fokussieren sowie Unterstützung leisten. Die Analyse zeigt, dass fast alle, die Modul 5 zu Ende rechneten auch Modul 6 abschließen und letztlich den errechneten Pflegegrad übermittelt bekommen.

Berechnung des Pflegegrads zur Abschätzung der Dienstleistungen nutzen

So zeigt sich, dass in Modul 4 "Selbstversorgung" zwar ein Großteil der Pflegebedürftigen noch in der Lage ist, selbstständig zu Essen und zu Trinken, jedoch vor allem die Zubereitung von Nahrung ein Problem darstellt (30%). Auch das Steuern von mehrschrittigen Alltagshandlungen (Modul 2) fällt vielen in der Befragung schwer (35,2%). Hier ergeben sich auch die Möglichkeiten für die Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern, wie der Landhausküche von apetito, um den Patienten den Alltag zu erleichtern und möglichst lange ein möglichst unabhängiges Leben zu ermöglichen. Zudem zeigt sich für den Pflegedienst ein weiterer Vorteil, sofern er den Pflegebedürftigen bei der Errechnung des Pflegegrades gezielt unterstützt. Anhand der Antworten lassen sich für den Pflegedienst auch die zukünftigen Dienstleistungen besser planen, welche auch besser auf den Patienten und dessen unmittelbare Lebensrealität angepasst werden können.
Diese Analyse wurde von der Landhausküche von apetito in Auftrag gegeben, umgesetzt von pflegemarkt.com