Stadt, Land, Pflege: Wachstumsprognose bis 2030 für ambulante Pflegedienste

Ambulante Pflege ist einer der wichtigsten Grundpfeiler in der professionellen Pflege. Einen besonderen Stellenwert nehmen Pflegedienste zudem in deutschen Städten ein, in denen aufgrund des allgemeinen Platzproblems voll- und teilstationäre Konzepte mit vielen Herausforderungen verbunden sind. Eine Analyse im Auftrag der Landhausküche von apetito hat nun die ambulante Versorgung in der Stadt und auf dem Land untersucht und eingeordnet.

Die im folgenden Text benannten Unterscheidungen basieren auf der Bevölkerungsanzahl im Jahr 2020: Als Dorf oder Landstadt gelten Siedlungen mit 2.000–5.000 Einwohner, als Kleinstadt bei 5.000–20.000 Einwohner, als Mittelstadt oder Mittelzentrum ab 20.000–100.000 Einwohner, als Großstadt gelten Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern. Die Anzahl der Pflegebedürftigen bezieht sich dabei auf die Pflegestatistik des Bundes und eigenen Hochrechnungen auf Basis der statistischen Landesämter.

Ein Pflegedienst im Mittelzentrum versorgt durchschnittlich die meisten Patienten

Bei der Analyse zeigen sich deutliche Unterschiede im Bereich der ambulanten Pflege; in Großstädten werden pro Pflegedienst im Schnitt 113 Patienten versorgt. Allgemein zeigt sich in Mittelzentren der höchste Wert an Patienten pro Pflegedienst: 135 Versorgungen. Die wenigsten Versorgungen pro Pflegedienst zeigen indes Dörfer mit weniger als 5.000 Einwohnern; hier beträgt die Versorgungsrate pro Pflegedienst rund 97 Patienten. 

Diese unterschiedlichen Versorgungsraten lassen sich dabei auf die andersartige Struktur von Großstadt, Stadt und Land zurückführen. Während in einem Dorf im Schnitt nur ein Pflegedienst für eine vergleichsweise kleine Anzahl an Pflegebedürftigen verantwortlich ist, und viele davon in einem Pflegeheim unterkommen können oder auch noch von Angehörigen versorgt werden, arbeiten durchschnittlich 8 Pflegedienste für die Versorgung von Pflegebedürftigen in Mittelstädten. Doch bereits in Mittelstädten erschweren hohe Mieten und Platzmangel eine großflächige Verbreitung von ausreichend vielen vollstationären Plätzen, während zeitgleich die Grenzen von Stadtteilen noch nicht so ausgeprägt sind wie dies in Großstädten der Fall ist (wo durchschnittlich 71 Pflegedienste für die Versorgung der Bewohner zuständig sind). Der großflächige Bedarf von Pflege in den Mittelzentren im Verbund mit der eher geringen Anzahl an Pflegediensten und der im einzelnen hohen Versorgungsleistung macht gerade in der heutigen Zeit die Nutzung digitaler Strukturen und die Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern für die Pflege geradezu unabdingbar.

Dies gilt besonders im Hinblick darauf, dass von einer prozentualen Steigerung der Pflegebedürftigen von 21 Prozent in Mittelstädten bis zum Jahr 2030 ausgegangen werden muss. Die zu erwartende prozentuale Steigerung der Pflegebedürftigen in Kleinstädten bis 2030 beträgt 19 Prozent, in Großstädten und Dörfern nur 17 Prozent. Der zu erwartende Anstieg in Hamburg, Berlin und Köln übersteigen den Mittelwert der Großstädte jedoch zuweilen deutlich.

Große Chancen für Pflegedienste in Mittelzentren

Der Anstieg an Pflegebedürftigen in Mittelzentren und die hohe Auslastung der dort aktiven Pflegedienste zeigt aber auch ein großes Potential für dort anwesende und neu entstehende Pflegedienste. Der hohe Bedarf wird weitere professionelle Versorgung zur Deckung benötigen; hierbei können zudem außenstehende Dienstleister, wie z.B. die Landhausküche von apetito und neue Chancen zur Digitalisierung genutzt werden, um sich auf die Kernleistung Pflege konzentrieren und den eigenen Pflegedienst weiter ausbauen zu können.

Zur weiteren Verschärfung der Lage tragen dabei vor allem die akute Land- und die ihr entgegenstehende Stadtflucht bei. Während immer mehr vor allem sehr junge Leute in die Stadt ziehen, ziehen zur gleichen Zeit immer mehr Menschen im mittleren Lebensalter aufs Land. Laut Zukunftsinstitut grenzt das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BIB) diesen Trend jedoch ein und spricht von großen regionalen Unterschieden. Die Regionen um Berlin, um Leipzig oder Dresden herum sind für viele Westdeutsche besonders attraktiv. Ein Trend hin zur Suburbanisierung lässt die Speckgürtel in diesen Regionen wachsen. Rund um Berlin entstehen gerade viele neue Wohngebiete - in erster Linie Einfamilienhäuser. Hier ziehen die ehemaligen Stadtfamilien mit Kindern hin, Studenten und andere jüngere Menschen rücken in den Städten nach. So bleibt ein Einwohnerminus auf dem Land.

Bedarf an ambulanter Pflege steigt, besondere Herausforderungen in den 5 größten Städten

Insbesondere in den fünf größten Städten Deutschlands wächst indes die Anzahl der ambulanten Pflegedienste deutlich. Vorreiter ist hierbei Frankfurt am Main. Waren hier im Jahr 2017 noch 175 Pflegedienste aktiv, stieg deren Anzahl bis zum Jahr 2020 um 25 Prozent auf nunmehr 221 Pflegedienste. Das größte Delta an neuen Pflegediensten verzeichnete dabei Berlin; hier kamen im Laufe der letzten drei Jahre 88 neue Pflegedienste hinzu, um den stetig steigenden Pflegebedarf in der ambulanten Pflege abzufedern. Auch das Pflegedienst-Wachstum in Hamburg (17 Prozent) zeigt sich ambitioniert. Diese Wachstumsraten werden jedoch auch nötig sein.

Bei Betrachtung der Bedarfsprognose für ambulante Versorgungen fallen besonders Hamburg und Berlin ins Auge – der prognostizierte Bedarf an ambulanter Pflege wächst besonders stark in diesen beiden Städten. Werden aktuell in Hamburg rund 37.300 Patienten ambulante versorgt, werden im Jahr 2030 ambulante Versorgungskapazitäten für mehr als 45.800 Patienten nötig werden. In Berlin hingegen werden aktuell rund 59.700 Patienten ambulant versorgt. In 10 Jahren werden knapp 71.100 Einwohner ambulante Versorgung in Anspruch nehmen.

Insgesamt zeigen sich die fünf größten Städte in Deutschland aktuell bereits als ambulant gut aufgestellt, mit einem sichtbaren Fokus auf weiteres Wachstum, welches auch mit Hinblick auf die zunehmende Anzahl an Pflegebedürftigen nötig sein wird. Dennoch bieten eben diese Strukturen auch Potential für weitere Versorgungsmöglichkeiten. Sie zeigen zudem die Bedeutung gemeinsamer Zusammenarbeit und enger Kommunikation mit Dienstleistern und Partnern, die zunehmend auch und gerade auf digitalen Wegen zusammenläuft.

Digitalisierung & Kooperation mit Dienstleistern als Chance

Wenngleich sich die Kurve auch in den unterschiedlichen Regionen unterscheiden mag – egal ob Stadt oder Land: Die Anzahl der Pflegebedürftigen wird in den kommenden Jahren stark steigen. Diese Entwicklung ermöglicht auch neue Potentiale und Chancen für Pflegedienste. Diese werden sich im Laufe der nächsten zehn Jahre zunehmend weiter auf ihre Kernkompetenz Pflege berufen müssen, um der wachsenden Anzahl an Pflegebedürftigen weiterhin vollumfänglich zu versorgen.

Um dennoch ein breites Spektrum an Bedürfnissen rund um das Leben im Alter abdecken zu können, wird die Zusammenarbeit mit verlässlichen Partnern umso wichtiger. Diese werden zudem zunehmend auf digitalen Kommunikationswegen stattfinden müssen, um die reibungslose Koordination zu gewährleisten und nicht in der analogen Welt stehen zu bleiben.

Quelle

Die Landhausküche steht im regelmäßigen Austausch mit der Agentur Pflegemarkt.com. So wurden auch hier Zahlen, Daten und Fakten von dem Spezialisten für Marktanalysen der Pflege-Branche zur Verfügung gestellt. 

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